Vereint durch die Magie des Rocks

Ein bisher kaum bekannter Künstler veröffentlicht auf einem kleinen Label eine fantastische CD. Das klingt dann wieder so wie ein Märchen, doch „Written on the Horizon“ ist so ein Märchen. Von dem Brasilianischen Gitarristen/Songwriter/Sänger Joey Summer werden die wenigsten bisher was gehört haben. Doch das neue Album „Written on the Horizon“ sollte jeder Hardrock/AOR-Fan mal gehört haben. Für mich eines der Genrehighlights 2010 bisher.
Hier die Antworten von Joey auf meine gemailten Fragen.


Hey Joey, da muss ich dir erst mal ein paar Lobende Worte aussprechen. Dein Album „Written on the Horizon“ ist eine echte Überraschung geworden und für mich ein Highlight im AOR/Hardrock in diesem Jahr bisher. Zum Glück kein „Guitar-Hero“-Album geworden, wo du dir einen abfiedelst. Gibt es denn noch andere Veröffentlichungen von dir?

Hallo Jörg, danke dir für die netten Worte über mein neues Album „WOTH“ und meine Musik. Wenn Leute fühlen das ich meine Songs mit dem Herzen und voller Leidenschaft geschrieben und gespielt habe, dann habe ich mein Ziel erreicht.
Was deine Frage zu den anderen VÖS angeht. Ich habe in den letzten 10 Jahren 2 Alben veröffentlicht. Beide sind aber in Portugiesisch und nicht in Englisch und nur in Brasilien erschienen. Das erste nennt sich "O Tempo Vai Mostrar" (Time Will show)“ das einen interessante Fusion aus Hardrock und Progressive Rock zu bieten hat, nenne es Prog HardRock wenn du so willst. Das habe ich mit meinem Keyboarder Daniel Lamas 1998 produziert. Das zweite Album nennt sich „Nascer“ und erschien 2009, das hatte dann auch einen Song in Englisch. „Rough Ride into Paradise“, das Stück welches von Kee Marcello geschrieben wurde, war im Original auch auf seinem Solo-Album „Shine On“, das dann 1994 erschien. Ein gemeinsamer Freund hat mir dann eine Menge Songs von Kee geschickt, nachdem ich nachgefragt hatte. Der Freund ist Roger Ostman ein Musikverleger aus London, ich fragte ihn nach einigen coolen Songs für mein neues Album und er legte mir eine lange Liste vor. Bei „Rough ride…“ war es dann eindeutig Liebe auf den ersten Song bei mir, haha. Es musste einfach mit auf mein Album, Kee ist so ein toller Songwriter und ein sehr netter Kerl.
Die Zeit zwischen den beiden Alben habe ich mit einigen anderen Brasilianischen Live-Acts verbracht, mit denen ich dann die Bühne teilte. Ich habe die ein oder andere Studio und Live-Scheibe, DVD und so als Gastmusiker mitgespielt.


Dann bist ja doch recht beschäftigt. Was ist für dich eigentlich das Wichtigste an einem Song? Also ich meine wenn du einen Song schreibst, das Riff, die Hookline, ein Refrain?

Normalerweise konzentriere ich mich auf die Emotionen, die mich inspirieren beim Song schreiben. Das ist dann wohl auch der Grund warum ich bisher noch nicht so viele Lieder für irgendwelche andere Künstler geschrieben habe. Ich habe schon einige gute Song in der Vergangenheit geschrieben, doch die waren dann nicht so Benutzerdefiniert. Es war auch nie diese Situation wie „Schreib mir was, ich zahle dafür“. So sehe ich meine Musik nicht.
Meine Musik kommt aus dem Herzen und ich bin froh darüber, das dann doch einige Künstler in diesem Land meine Songs aufgenommen haben.
Sicher kannst du sein, das ich zu hundert Prozent mit dem Herzen hinter allem stehe was auf „Written on the Horizon“ aufgenommen wurde. Ich habe genau das Album gemacht auf das ich in dem Moment Lust hatte und das klang dann eben wie das Beste aus den 80gern.
Ich denke oft über einen „starken“ Refrain nach, das ist dann der wichtigste und höchste Teil des Songs. Dann haben die „Bridges“ hin und wieder noch etwas mehr Emotionen, aber nicht immer.


Wie ist denn das Feedback auf dein Album bisher ausgefallen. Gab es mehr Gute oder mehr Schlechte Reviews?

Ich habe so einige Reviews bisher gelesen. Da waren auch einige sehr gute drunter, doch ich sehe in jedem Review bisher eigentlich auch gute Punkte. Ich sehe dann auch den Standpunkt von dem der es schreibt. Ich respektiere jeden der Reviews schreibt. Wenn du ein Review schreibst, dann macht dich deine Erfahrung zu eine Art Meinungsmacher, doch wir haben alle eine eigene Art um Musik zu hören und sie zu bewerten. Ein Lied wird niemals in der gleichen Art und Weise gleich zu 2 verschiedenen Leuten „sprechen“. Ich bin im Großen und Ganzen mit den Kritiken zufrieden. Ich vergesse auch dabei nie, das jemand der meine Alben reviewt auch die Platten von meinen Vorbildern und Inspirationen bespricht. So bin ich dann auch sehr dankbar das ich mit diesen Künstlern verglichen werde und sich die Leute damit befassen, was ich bei mir auf dem Sofa geschrieben habe.


Mich würde dann mal interessieren wie du mit Michael Bormann, Kee Marcello, Göran Edman und all den anderen die dir Songs geschrieben haben und auf deinem Album spielen, in Kontakt gekommen bist?

Es fing alles mit dem Song „Anymore“ an. Ich habe da ein Demo von gehabt, saß damit in meinem Studio und wusste nicht wo ich es veröffentlichen sollte. Das war auch der erste Song den ich geschrieben und aufgenommen habe für das Album. Mann kann als „Anymore“ die Schuld daran geben, das dieses Projekt in Rollen kam ich wollte es dann aber auch veröffentlichen.
Ich bin dann mit „Mülli“ (Michael Müller) in Kontakt getreten und wollte Informationen über Copywright für diesen Song. Wir hier in Brasilien müssen eine Menge Dokumente ausfüllen, wenn wir ein Lied eines anderen Songwriters/Künstlers aufnehmen wollen und ich hatte zu dieser Zeit immer noch keinen internationalen Plattenvertrag. Durch den Kontakt mit „Mülli“ kam es dann zum Kontakt mit Michael Borman. Er war sehr angetan und freundlich zu mir, was mein Interesse an „Anymore“ anging, er ist ein toller Sänger und Songwriter. Aber auch sehr beschäftigt. Ich fühlte mich sehr geehrt von der Aufmerksamkeit und der Erlaubnis von Michal Bormann den Song benutzen zu dürfen. Als ich dann „Mülli“ alles erzählte, schlug der mir dann vor den Bass auf diesem Lied zu spielen und ich sagte: Of Course, man. Welcome on Board! Haha. Er machte einen tollen Job und ich bin sehr stolz auf diese Zusammenarbeit und das Ergebnis. Das war es dann was mit „Anymore“ geschah.
Ich wollte dann aber „WOTH“ als ein Album das nach vielen Variationen dieser Musik klingt, so habe den Songwriter Frederik Bergh einfach mal nach ein paar „Hits“ gefragt. Ich wollte gerne ein paar Songs in der Art wie Street Talk und er schickte mir dann ein paar Songs wo ich wählen konnte. Es war echt eine harte „Mission“, denn alle Street Talk-Songs sind einfach großartig für mich. Die Jungs rocken einfach.
Ich entschied mich dann für „Tables Turning“ und „Don`t believe“ für meine Platte. Ich habe Frederik dann auch gleich gefragt ob er nicht die Keyboards für „Don`t believe“ spielen könne, auch da sagte Frederik: „Yes fine“. Ich habe ihm nur erzählt das ich ein großer Fan seiner Band Street Talk bin.
Gorän Edman ist ein fantastischer Sänger und Frontmann und ihn anzusprechen war meine Idee, doch eingeladen wurde er dann von Frederik Bergh. Gorän war so nett und lieh seiner Stimme ein paar Song meiner Platte bei den Backing-Vocals und hat bei den Bergh-Songs ein wenig mitgeschrieben. Ich bin echt gesegnet worden mit al diesen Beiträgen auf meinem Album. Diese Leute haben ihr eigenes Kapitel in der Geschichte des Hardrocks und AORs und es macht mich voll stolz sie auf meinen Album zu haben.


Hast du denn schon mal über einen Sänger nachgedacht, der auf deinen Platten singen sollte? Nicht das ich deinen Gesang schlecht finde, doch du scheinst ja mehr der Gitarrist zu sein.

Du hast schon Recht, das Zwiespältige Gefühl habe ich auch. Ich mache es gerne, doch Live könnte das zu einem Problem für mich werden. Der Junge den ich auch für diesen Job im Auge hätte, würde in einigen Ländern Probleme mit den späten Auftritten bekommen.
Ich liebe es zu singen, ich habe sehr früh mit der Musik angefangen und mein erstes „Instrument“ war eben meine Stimme. Ich sang in einer Gesangstruppe die meine Mutter gegründet hatte. Sie war eine Opernsängerin und ich lernte meine ersten musikalischen Schritte von ihr. Am Ende war das spielen und das singen auf meinem Album eine der tollsten und natürlichsten Sachen für mich. Ich würde aber gerne einen Sänger für das nächste Album mit hinzu nehmen. Ich habe das so einige im Hinterkopf, ich habe eine lange Liste und bin noch für einige Überraschungen gut, haha. Sage mal singst du? Haha


Ich versuche es hin und wieder, doch in einer Band habe ich noch nie gesungen. Mal gucken was noch so kommt. Wie bist du in Kontakt mit Aveneu Of Allies getreten?

Eine gute Frage, ich bin ja mit dem fantastischen Frederik Bergh in Kontakt gekommen. Ich hatte ihm ja zuerst die Version von „Tables Turning“ geschickt und er war ja voll begeistert davon. Dann fragte er mich ob ich schon ein Label in Europa hätte. Als ich das verneinte, erzählte er mir von Avenue of Alliesmusic. Dann habe ich mir deren Webseite angeschaut und habe denen mal eine CD zum anhören geschickt. Ich habe dann Gregor Klee, den ausführenden Produzenten des Labels angeschrieben und er fragte mich nach meinen gesamten Material, das ich bis dort hin fertig hatte. Er bekam eine CD mit „Anymore“, „Tables…“ und einen Song von mir der nun auf dem Album „It`s only your love“ heißt. Nach sehr kurzer Zeit bekam ich seine Antwort und er würde das Material lieben und gerne mehr hören. Ich war sehr beeindruckt von seiner Professionalität und seiner Hingabe und Liebe zur Musik. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, das wir zwischen unserem ersten Gespräch dann einen weltweiten Deal mit mir ausheckten. Ich bin es froh ein Teil des Rooster von Avenue Of allies Music zu sein. Gregor macht in der AOR-Szene einen tollen Job.


Wie wichtig ist das Internet für dich? Wenn ich das so alles höre, würde ich sagen das es für dich kaum noch wegzudenken ist.

Ich bin jemand der aus der „Wood Stove“-Zeit dieser Musik kommt (sorry, was auch immer das zu bedeuten hat- Der Verfasser). Als ich angefangen habe, gab es kaum Möglichkeiten das diese Art von Musik überhaupt noch irgendwo gehört wurde. Die Welt erschien dir noch größer und man musste Tapes und Briefe überall hinschicken, da ging dann auch viel Geld für drauf. Harte Zeiten irgendwo. Das Internet ist schon sehr Dubios und man sollte vorsichtig sein. Doch das Netz hat auch viele gute Seiten, ich kann mir die Welt ohne nicht mehr vorstellen. Jeder muss für sich entscheiden was Gut oder Schlecht ist. Es ist eben die Zukunft!


Hast du denn ein paar Favoriten auf dem neuen Album?

Ich habe so viele Lieblinge, vor allem die Songs welche die anderen für mich geschrieben haben. Diese Lieder wollte ich unbedingt auf der Platte haben und so ist es ja auch gekommen.
Doch ich habe „It`s not only your Love“ in einem besonderen Moment in meinem Leben geschrieben und so sage ich, das es mein Lieblingslied auf „Written on the Horizon“ ist. Ich schrieb ihn vor ca 4 Jahren und ich wollte ihn mit der Welt teilen. Ich danke Gott und Avenue Of Allies das ich die Chance mit dem „Written on the Horizon“-Album habe.


Hast du eigentlich die Musik/Rock-Szene in Brasilien im Auge?

Ich habe meine Karriere in der Underground-Szene in Brasilien angefangen. Das war dann mehr Heavy Metal Musik, doch die Zeiten für diese Musik sind nun viel besser als früher. Das Internet lässt uns ein wenig einfacher in die Welt schauen und Kontakte aufrecht zu erhalten. Jeder kann so seine Chance ergreifen. Es gibt so viele tolle Bands und die haben alle eine Chance verdient. Dann noch die Bands die es schon geschafft haben außerhalb von Brasilien bekannt zu werden: Dr. Sin, Angra, Wander, Sepultura oder Taffo (die gibt es leider nicht mehr). Einige davon haben ja schon einen großen Erfolg außerhalb von Brasilien gehabt. Sie sind und waren echte Helden. Sie haben alles mit Kraft und Power geschafft und das noch vor dem Internetzeitalter. Sie waren einfach anders und ich verneige mich vor ihnen.


Hast du denn jetzt spezielle Tourpläne auch möglicherweise in Europa? Oder arbeitest du gerade an neuen Material?

Nun, ich schreibe immer an neuen Material. Ich höre niemals auf zu schreiben. Ich bin gerade mit ein paar tollen Demos im Studio zugange, ein Teil des Materials wird dann auf meinen kommenden Album verwendet werden. Ich kann einfach nicht aufhören Rock`n Roll zu machen. Aber gerade bin ich darauf konzentriert mit „Written on the Horzion“ einiges zu erreichen. Es ist auch einfach zu früh um einfach ein Anderes oder Neues Projekt ins Rollen zu bringen. Aber für nächstes Jahr habe ich eindeutig ein paar Pläne.


Dann danke ich dir Joey, für das Interview und das du dir Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Hast du noch ein paar letzten Worte an unsere Leser und deine Fans?

Mann, ich habe es echt genossen das ich deine Interviewfragen beantworten konnte. Ich danke dir da sehr für dein Interesse. Für mich ist es immer was besonderes wenn man sich mit meiner Arbeit auseinander setzt und mir zeigt das man daran interessiert ist.
Ich möchte allen Lesern von Sleaze-Metal danken und das sie nie ihr Interesse und ihren Support für dieser Art von Musik vergessen sollten. Musik ist der Soundtrack unseres Lebens, der Grund warum die Fans und die Künstler zusammen geführt werden, bei der Magie des Rock`n Rolls. Diese Magie vereint die Menschen egal welcher Hautfarbe, aus welcher Kultur oder Land sie kommen. Am Ende ist es völlig egal wer oder was du bist und woran du glaubst, es ist einfach eine große Rock `n Roll Party! Danke euch allen für euren Support! Rock on.




Datum: 11.07.2010 - Autor: Jörg




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